|
Das neue Jahr beginnt bei mir immer mit dem Erstellen des Jahresberichts für die Stiftung Jugendsozialwerk, und ich bin jeweils sehr gespannt, was die Leiterinnen und Leiter alles zu berichten haben. Neben Zahlen und Statistiken kommen auch die Geschichten einzelner Teilnehmender zur Sprache. Zum Beispiel die von Lea, die viel Unterdrückung und Gewalt erlebt hatte. In unserer Wohnintegration baute sie langsam ihr Selbstwertgefühl auf. Sie schloss ihre Ausbildung erfolgreich ab, lebt heute selbstständig und plant, ein Studium zu beginnen.
Ein weiterer Fall ist ein Jugendlicher, der uns von der Jugendanwaltschaft zugewiesen wurde, damit er wenigstens die Schule abschliessen konnte. Im Herbst 2025 startete er seine Lehre in einem Handwerksbetrieb. Oder jene Eltern, die sich bei der Jugend- und Familienberatung Unterstützung suchten. Sie lernten, dass sie die Mitwirkung ihrer Kinder im Familienleben gezielt einzufordern können. Alle Geschichten haben ein gutes Ende. Sie ermutigen und spornen an. Ich könnte aber genauso gut Geschichten von Menschen erzählen, die ihre Ziele nicht erreicht haben. Ich habe mich dagegen entschieden. Wir werden täglich mit vielen schlimmen Geschehnissen konfrontiert, da ist es wichtig, immer wieder die gelungenen Dinge ins Zentrum zu rücken. Zudem glaube ich, dass der Abbruch eines Programms nicht das Ende bedeutet. Ich hoffe fest, dass diese Menschen an einem anderen Ort jene Unterstützung bekommen, die sie bei uns nicht gefunden haben. „Nur auf gute Nachrichten“, sagt man in der jüdischen Community. Dahinter steht eine Haltung der Hoffnung: Wir wissen, dass die Welt nicht immer gut ist, aber wir richten unsere Sprache und unseren Blick auf das Gute aus. (Der Text erschien als Kolumne im Idea Magazin Schweiz)
0 Kommentare
Antwort hinterlassen |
Die AutorinMirjam Jauslin ist Leiterin Kommunikation der Stiftung Jugendsozialwerk. In ihrer logotherapeutischen Beratung unterstützt sie Menschen bei der Bewältigung von existenziellen Herausforderungen. Archiv
Mai 2026
Kategorien |
RSS-Feed